"Ich habe vergessen,  eine Rechnung zu bezahlen und nunmehr eine Mahnung von einem Inkassobüro erhalten, in welcher ich zur Bezahlung hoher Inkassospesen aufgefordert werde. Muss ich diese Kosten tragen?"

In zahlreichen allgemeinen Geschäftsbedingungen, insbesondere jenen der Mobilfunkanbieter, Kreditkartenunternehmen oder Versicherungsunternehmen, finden sich Klauseln, nach welchen der Kunde verpflichtet ist, im Falle des Zahlungsverzuges auch die Kosten der Einschaltung von Inkassounternehmen zu tragen. Gerade bei betragsmäßig niedrigen Forderungen erreichen die geltend gemachten Inkassospesen rasch den Hauptsachenbetrag.

Die Rechtsprechung hat wiederholt ausgesprochen, dass solche Klauseln, die dem Schuldner ein von vornherein unabschätzbares Zahlungsrisiko aufbürden bzw. ihn dem Betreibungsverhalten des Unternehmers „ausliefern“, gröblich benachteiligend und nichtig sein können.

Selbst wenn eine entsprechende Klausel der strengen Inhaltskontrolle durch die Gerichte standhält, so haben die einzelnen Kosten zweckmäßig und notwendig zu sein. Diese beiden Kriterien liegen vor, wenn beispielsweise das Verhalten des Schuldners, etwa dessen ”Untertauchen“, dessen Täuschung über seine Identität oder dessen Versuch, sich seiner Zahlungspflicht nachhaltig zu entziehen, das Spezialwissen, insbesondere die Ausforschungstätigkeit, eines Inkassounternehmens erfordert. Ansonsten ist regelmäßig lediglich das erste Mahnschreiben als zweckentsprechend anzusehen. Von Vornherein als aussichtslos erkennbare Inkassomaßnahmen, wenn also beispielsweise bekannt ist, dass die Forderung strittig ist oder der Schuldner aus anderen Gründen freiwillig nicht zahlt oder nicht zahlen kann, also Fälle vorliegen, die es von vornherein wahrscheinlich machen, dass letztlich doch geklagt werden muss, sind jedenfalls ungeachtet der Beauftragung eines Inkassounternehmens nicht ersatzfähig. Es empfiehlt sich daher, die angesprochenen Inkassokosten jedenfalls anwaltlich auf ihre Berechtigung überprüfen zu lassen.