"Die Wurzeln und Äste eines Baumes am Nachbargrund ragen in mein Grundstück, was seit geraumer Zeit für Streitigkeiten sorgt. Welche rechtliche Handhabe habe ich gegen meinen Nachbarn?"

§ 442 ABGB bestimmt, dass jeder Eigentümer die in seinen Grund eindringenden Wurzeln entfernen und die in seinen Luftraum hängenden Äste abschneiden oder sonst benützen darf. Dabei darf allerdings der fremde Grund nicht betreten werden. Es ist fachgerecht und die Pflanze möglichst schonend vorzugehen. Dieses allgemeine Selbsthilferecht des betroffenen Grundeigentümers nach ABGB berührt allfällige gesetzliche Bestimmungen über den Wald-, Flur-, Feld-, Ortsbild-, Natur- und Baumschutz nicht. Erforderlichenfalls sollte bei den Arbeiten ein Gärtner beigezogen werden, um nicht später Schadenersatzansprüchen ausgesetzt zu sein. Die Kosten trägt der betroffene Eigentümer allein – außer bei bereits erfolgter oder unmittelbar drohender Schädigung durch Wurzeln und Äste (zB wenn Wurzeln Wasserleitungen zerstören oder Äste das Dach), hier wird der Aufwand geteilt.

Einwirkungen von Bäumen und Pflanzen vom Nachbargrund aus, wie etwa der Entzug von Luft und Licht (etwa durch massiven Schattenwurf), können auch Beseitigungs- und Unterlassungsansprüche nach § 364 ABGB rechtfertigen, sofern sie das nach den örtlichen Verhältnissen gewöhnliche Maß überschreiten. Vor der Einleitung einer Klage ist in solchen Auseinandersetzungen zwingend ein Schlichtungsverfahren, ein Versuch eines prätorischen Vergleichs oder eine Mediation vorgesehen, erst dann kann das Gericht im streitigen Verfahren angerufen werden.

Vom Einschlagen von Metallnägeln oder dem eigenmächtigen Fällen von Bäumen wird abgeraten. Solche Handlungen erfüllen den Straftatbestand der Sachbeschädigung nach § 125 StGB und kommen auch zivilrechtlich teuer.