"Ich stellte beim Nachtrodeln in einer Kurve quer und wurde von hinten angefahren und verletzt. Der Gegner meint nun, ich sei selbst schuld und lehnt jede Haftung ab."

 

Nach einer Studie des Kuratoriums für Verkehrssicherheit ereignen sich auf Österreichs Rodelbahnen jährlich rund 6.600 Rodelunfälle mit Personenschaden. Während bei anderen Wintersportarten, etwa dem Schilauf oder Snowboarden, das Problembewusstsein gestiegen ist und Regelwerke (FIS-Regeln; Pistenordnungsentwurf des österreichischen Kuratoriums für alpine Sicherheit) das Miteinander im Schiraum ordnen, gelten beim Freizeitrodeln lediglich allgemeine Grundsätze.

 

Ein Rodler ist grundsätzlich selbst für seine Sicherheit verantwortlich und hat dem der Sportausübung anhaftenden Verletzungsrisiko durch kontrolliertes und daher bestehenden Gefahren Rechnung tragendes Verhalten zu begegnen. Das Gebot des Fahrens auf Sicht gilt nicht nur im Straßenverkehr, sondern auch auf Rodelbahnen. Ein Rodler hat daher seine Fahrweise so zu gestalten, dass er bei Auftreten eines Hindernisses oder Erkennen einer Gefahr in der Lage ist, seine Rodel rechtzeitig zum Stillstand zu bringen (deshalb: Abstand halten!). Gegen dieses Gebot hat Ihr Gegner verstoßen und kann von Ihnen daher zur Haftung für Schmerzengeld, den Ersatz beschädigter Kleidung, Heilmittel- und Therapiekosten, Verdienstentgang usw. herangezogen werden.

 

Er wird jedoch damit argumentieren, dass Sie die Fahrspur blockierten und wegen der Dunkelheit nicht bzw. zu spät zu erkennen waren. Gerade bei unbeleuchteten Bahnen muss nach neuerer Rechtsprechung jeder durch selbst mitgeführte Lichtquellen für eine ausreichende Beleuchtung seiner Rodel sorgen und bei der Wahl seiner Fahrlinie der Möglichkeit besser ausgestatteter und daher schneller fahrender, nachfolgender Rodler Rechnung tragen. Unter Umständen trifft Sie daher ein Mitverschulden. In diesem Fall müssten Sie einen Teil des Schadens selbst tragen.

Siehe auch Oberländer Rundschau vom 6./7.2.2013